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Passionsspiele 2020 Oberammergau

Unser aktuelles Reiseangebot für Sie:

Oberammergau – Passionsspiele 2020 - 3 Tage

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Termin:

Die Geschichte des Oberammergauer Passionsspiels beginnt 1633. Mitten im Dreißigjährigen Krieg, nach monatelangem Leiden und Sterben an der Pest, gelobten die Oberammergauer, alle 10 Jahre das Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus aufzuführen. Zu Pfingsten 1634 erfüllten sie das Versprechen zum ersten Mal. Bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts kamen Zuschauer aus allen Teilen Deutschlands nach Oberammergau, angezogen durch seine Kraft und Ausstrahlung. Im Jahr 2020 führt die Gemeinde zum 42. Mal das Spiel auf, das die Oberammergauer in einzigartiger Kontinuität durch die Jahrhunderte getragen haben.

Nur alle zehn Jahre ist Gelegenheit, die berühmten Passionsspiele in Oberammergau zu besuchen. Im Jahr 2020 ist es wieder soweit, vom 16. Mai bis 4. Oktober finden im Passionstheater in Oberammergau die 42. Passionsspiele statt, für die 102 Vorstellungen geplant sind und zu denen rund 450.000 Besucher aus aller Welt erwartet werden.

1. Tag: Anreise
Am Morgen Anreise nach Oberammergau. Abendessen und Übernachtung im Hotel

2. Tag: Oberammergau – Passionsspielbesuch
Nach dem Frühstück fahren Sie nach Oberammergau. Hier haben Sie Zeit zu Ihrer freien Verfügung. Nutzen Sie die Zeit für einen gemütlichen Bummel durch den Ort oder besuchen Sie die örtlichen Sehenswürdigkeiten wie das Oberammergauer Museum, das Pilatushaus oder die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul.
Das Mittagessen wird vor Spielbeginn in Oberammergau eingenommen.

Die Geschichte der Oberammergauer Passionsspiele ist untrennbar mit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges verbunden und der Pest, die in dieser Zeit grassierte. Als die Seuche auch zahlreichen Einwohnern von Oberammergau das Leben kostete, gelobten einige Bürger anno 1633, alle zehn Jahre Passionsspiele aufzuführen, sollte das Leiden ein rasches Ende nehmen. Der Überlieferung nach forderte die Pest ab diesem Zeitpunkt keine neuen Opfer. 1634 begannen die Oberammergauer, ihr Versprechen einzulösen. Seitdem führen die Oberammergauer alle zehn Jahre „ihre Spiele“ auf.

In der Spielpause (ca. 17:00 – 20:00 Uhr) wird das Abendessen eingenommen.
Nach Ende der Vorstellung Rückfahrt zum Hotel. Übernachtung.

3. Tag: Heimreise
Nach dem Frühstück treten Sie die Heimreise an.

– Änderungen vorbehalten –
 

Für diese Reise gelten folgende gesonderte Entschädigungspauschalen im Falle des Rücktritts:

bis 31.07.2019: 10%
bis 26 Wochen vor Reisebeginn: 25%
bis 20 Wochen vor Reisebeginn: 30%
bis 13 Wochen vor Reisebeginn: 50%
ab 13 Wochen vor Reisebeginn
und danach: 90%


Zahlungsbedingungen für diese Reise:

Die Anzahlung von 20% des Reisepreises ist sofort nach Buchung zu leisten. Die Restzahlung ist bis zum 90 Tage vor Abreise zu leisten. Bei Buchungen nach dieser Frist ist der Reisepreis nach Zugang der Buchungsbestätigung vollständig zu zahlen.

NUTZEN SIE UNSEREN FRÜHBUCHER-Bonus bis 31.07.2019

  •  Fahrt im modernen Reisebus
  • 2× Übernachtung im Raum Oberammergau in gehobenen 3- bis 4-Sterne-Mittelklassehotels
  • 2× Frühstücksbüffet
  • 1× Abendessen im Hotel
  • 1× Passionsessen (3-Gänge-Menü)
  • Eintrittskarte der 2. Kategorie für die Passionsspiele in Oberammergau
  • Textbuch zum Passionsspiel
  • Kurabgabe

Weitere Eintrittsgelder sind nicht im Reisepreis enthalten.

Bitte beachten Sie, dass diese Reise keine Reise-­Rücktrittskosten-Absicherung beinhaltet. Wir empfehlen Ihnen daher eine Reise-Rücktrittskosten-­Versicherung abzuschließen.

 

 

3- oder 4-Sterne-Hotel

  • Pers. im DZ
    ausgebucht
    849,00 €
    Frühbucher Preis
    bei Buchung bis zum 31.07.2019
    799,00 €

zubuchbare Optionen / Ermäßigungen

  • EZ-Zuschlag
    88,00 €

Die Chronik der Passionsspiele von 1633 – 2010

1633 in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, bricht in Oberammergau die Pest aus. Im ältesten Oberammergauer Matrikelbuch sind für den Zeitraum von September 1632 bis Oktober 1633 die Namen von über 80 Pesttoten verzeichnet. Auf dem Friedhof gelobten die Oberammergauer in jedem zehnten Jahr „das Leiden und Sterben des Herrn“ aufzuführen. Die Legende erzählt, dass von diesem Tag an niemand mehr an der Pest verstarb.

1634 (1. Spieljahr) Zu Pfingsten wurde auf dem Friedhof, neben der Pfarrkirche – über den frischen Gräbern der Pestopfer - mit 60 bis 70 Darstellern das erste Mal das „Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus“ aufgeführt. In den Jahren von 1550 bis 1800 sind im bayrisch-österreichischen Raum über 250 Passionsspielorte belegt.

1644 - 1654 Zweite und dritte Aufführung.

1662 In diesem Jahr entsteht, durch den Oberammergauer Schulmeister Georg Kaiser, die Abschrift des ältesten erhaltenen Oberammergauer Passions-Textes. Ein Großteil der 4902 Verse entstammt zwei älteren Spielen, die schon vor 1634 miteinander verbunden wurden: Zum einen, einem mittelalterlichen Passionsspiel aus der zweiten Hälfte des 15 Jahrhunderts, dessen Handschrift im Augsburger Benediktinerkloster St. Ulrich und Afra gefunden wurde und zum anderen der reformatorisch gestalteten, als Druck verbreiteten „Passions-Tragedi“ des Augsburger Meistersingers Sebastian Wild vom Jahre 1566. Der Hinweis: »Ist widerumben renoviert« deutet darauf hin, dass der Text bereits 1634, 1644 und 1654 verwendet wurde.

1674 (5. Spieljahr) Erweiterung des Textes durch Szenen aus dem Weilheimer Spiel von Pfarrer Johannes Älbl. Teile der Passion wurden musikalisch gestaltet.

1680 (6. Spieljahr) Die Gemeinde beschließt den Wechsel zur Aufführung in den Zehnerjahren.

1690 (7. Spieljahr) Die älteste erhaltene Gemeinderechnung belegt Ausgaben für das Passionsspiel in Höhe von 45 Gulden und 45 Kreuzer.

1710 (9. Spieljahr) Spielleitung und Textbearbeitung durch den Geistlichen Thomas Ainhaus (Benefiziat in Oberammergau 1705-1723).

1720 (10. Spieljahr) Szenenanweisungen in der Textbearbeitung des Ettaler Paters Karl Bader (1668-17731) dokumentieren eine barocke Kulissenbühne.

1730 (11. Spieljahr) Es findet eine Textbearbeitung durch den Rottenbucher Augustinermönch Pater Anselm Manhart (1680-1752) statt, der die allegorischen Figuren Neid, Geiz, Tod und Sünde als Gegner Jesu und die Lebenden Bilder, die bis heute ein wichtiges Stilmittel der Passionsspiele darstellen, einführt. Erstmals gibt es zwei Aufführungen und es entsteht ein Defizit von 84 Gulden in der Gemeindekasse.

1740 (12. Spieljahr) Textbearbeitung durch den Oberammergauer Pfarrvikar und späteren Rottenbucher Probst Clemens Prasser (1703-1770). Wahrscheinlich fanden zwei Aufführungen statt.

1750 (13. Spieljahr) Der Ettaler Benediktiner Pater Ferdinand Rosner (1709-1778) schreibt in den Zeiten der anbrechenden Aufklärung einen neuen Text, die "Passio Nova". Diese Fassung, religiös und künstlerisch durchgehend in der Formensprache des geistlichen Barocktheaters gestaltet, ist der erste eigenständige Passionsspieltext Oberammergaus. Die Allegorien werden in die Handlungen mit einbezogen, Jesus steht im Zentrum eines dramatischen Kampfes zwischen Gott und den Mächten der Hölle. Rosners Text findet in Bayern weite Verbreitung und lässt Oberammergau zum Vorbild für andere Spiele werden. Zwei Aufführungen mit ca. 11.000 Besuchern.

1760 (14. Spieljahr) Die beiden ältesten erhaltenen Kostüme der Passionsspiele, die Kostüme der Priester Kaiphas und Annas, stammen aus diesem Jahr und wurden bis in das 19. Jahrhundert hinein verwendet.

1770 Verbot aller Passionsspiele in Bayern. Das 18. Jahrhundert war die Zeit der Aufklärung. Der aufklärerische Vernunftglaube hatte keinen Sinn für die bunten, drastischen Spiele des Volkes. Die Darstellung Christi durch ungebildete Dorfbewohner erschien als Profanierung des Heiligen. Als die Oberammergauer die Spielgenehmigung für 1770 einholen wollten, wurde sie ihnen verweigert. Die Geistlichkeit verordnete, dass das große Geheimnis der heiligen Religion nicht auf die Bühne gehöre.

1780 (15. Spieljahr) Einzig Oberammergau erhält, nach der Umarbeitung der Passion Rosners durch den Ettaler Pater Magnus Knipfelberger (1747-1825), das Privileg für 3 Aufführungen. Knipfelberger beschränkt die Auftritte der Hölle auf musikalische Zwischenszenen und nennt das Stück "Das Alte und Neue Testament" um eine Erwähnung der Passionsthematik zu vermeiden. Einige Requisiten, wie ein von Franz Seraph Zwinck (1747-1792) gemaltes Dromedar, oder eine Geißelsäule haben sich aus dieser Zeit erhalten.

1790 (16. Spieljahr) Privileg für fünf Aufführungen. Erstmals belegter Verkauf von Eintrittskarten, sowie ein Hinweis auf das Passionsspiel in der Presse. Ca. 11.000 Besucher.

1800 (17. Spieljahr) Der mit dem Napoleonischen Kriegen verbundene Rückgang auf 3.000 Zuschauer hinterlässt ein Defizit von 205 Gulden in der Gemeindekasse.

1801 (18. Spieljahr) Um die kriegsbedingten Gemeindeschulden zu verringern, durfte die 1800er Passion mit vier Aufführungen fortgesetzt werden. Ca. 7.500 Besucher.

1810 In diesem Jahr wurde das Spiel wiederum verboten, und diesmal sah es so aus, als sei es mit den Spielen endgültig zu Ende. Der bayrische Minister und Staatsreformer Maximilian Graf Montgelas, der ab 1802 maßgeblich an der Auflösung der Bayrischen Klöster beteiligt war, erklärte das Oberammergauer Privileg für erloschen.

1811 (19. Spieljahr) Den Vertretern der Dorfgemeinschaft gelang es, bis zum Kurfürsten Max Joseph vorzudringen und dieser erwirkte, nach der Vorlage eines von dem Ettaler Pater Dr. Othmar Weiß (1769-1843) neugeschaffenen Textes, dass das Spiel wieder stattfinden durfte. Die Musik komponierte der in Oberammergau geborene Lehrer Rochus Dedler (1779-1822). Diese Musik zu den "Lebenden Bildern" bestimmt bis heute den Charakter des Spieles wesentlich mit. 6 Aufführungen mit ca. 21.000 Besuchern.

1815 (20. Spieljahr) Sonderspiele zum Dank für die Beendigung der Napoleonischen Kriege. P. Ottmar Weis formte seinen Text weitgehend nach den Maßstäben zeitgenössischer Literatur um und erweitert das Spiel durch eine neue Szene, den „Einzug in Jerusalem“. Die Änderungen erforderten von Rochus Dedler eine weitgehende Neukomposition der Musik. Die Neugestaltung der Bühne erfolgte durch den in Oberammergau geborenen Kleriker Johann Nikolaus Unhoch (1762-1832). 11 Aufführungen für ca. 9.000 Besucher.

1830 (22. Spieljahr) König Ludwig I. genehmigt das Spiel unter der Bedingung, dass die Bühne nicht mehr auf dem Friedhof errichtet wird. Daraufhin wird die Bühne, nach den Plänen von Nikolaus Unhoch, an den Nordrand des Dorfes verlegt. Ihr Grundriss bestimmt bis heute die Struktur des Passionstheaters. 5000 Zuschauer finden im neuen Theater Platz. Allerdings kommen bei 10 Aufführungen nur etwa 13 000 Besucher.

1840 (23. Spieljahr) Eine Hauptprobe und dreizehn Aufführungen zogen ca. 35.000 Zuschauer nach Oberammergau - darunter das sächsische Königspaar. Der Aufschwung der Besucherzahlen ging u.a. auf Zeitungsberichte begeisterter Rezensenten zurück.

1850 (24. Spieljahr) In diesem Jahr übernimmt Pfarrer Joseph Alois Daisenberger (1799-1883), der seit 1845 Pfarrer in Oberammergau war, die Leitung des Spiels. Ein gewählter „Passionsausschuss“ organisiert die Spiele. Erstmals französische und englische Zeitungsberichte über das Spiel. 14 Aufführungen mit 464 Mitwirkenden vor ca. 45.000 Besuchern.

1860 (25. Spieljahr) 1858 überarbeitet J. A. Daisenberger auf Wunsch der Regierung den Text. Er bevorzugt das Johannes-Evangelium und sucht die Dramatik der Passion durch die Verwendung von Stilmitteln der antiken und klassischen Tragödie herauszuarbeiten. Im Gegensatz zu Othmar Weis setzt er statt auf Realismus auf Idealisierung, und auf Psychologie statt des Politischen (z. B. bei Judas). Auch strebt er mit der Einfügung von Legenden (z.B. der Veronikaszene am Kreuzweg) nach Volkstümlichkeit. 21 Aufführungen, ca. 100.000 Besucher, darunter König Maximilian II. von Bayern.

1870 (26. Spieljahr) Daisenberger dichtet Prologe in antiken Odenmaßen zu den lebenden Bildern. Seinen Vorschlag einer Vers-Passion nimmt die Gemeinde aber nicht an. Zum ersten Mal werden einige Darsteller und Szenen des Spiels fotografiert. Dabei konzentrierte sich die Bewunderung, die den Oberammergauern in steigendem Maße entgegengebracht wurde, auf Joseph Mayr, den Christus-Darsteller von 1870-1890.

1871 Das wegen des deutsch-französischen Krieges unterbrochene Spiel wird 1871 fortgesetzt. Für den bayrischen König Ludwig II wurde eine Sondervorstellung gegeben; als Dank dafür stiftete er den Oberammergauern eine monumentale Kreuzigungsgruppe. Auf seinen Wunsch hin nahm Hofphotograph Joseph Albert alle Lebenden Bilder und mehrere Szenen auf. 18 Aufführungen mit ca. 40.000 Besuchern – darunter: Kronprinz Edward aus England und Richard Wagner.

1880 (27. Spieljahr) Bis zum Jahre 1870 waren die Spielleiter allesamt Kleriker. In diesem Jahr übernimmt das erste Mal ein „Laie“ die Leitung des Spiels: Johann Evangelist Lang (1835-1900) – zugleich Bürgermeister und Kaiphas-Darsteller. Die Kostüme und diverse Requisiten entstanden in Zusammenarbeit des Leiters der Oberammergauer Schnitzschule, Bildhauer Ludwig Lang (1844-1932), dessen Schwester Josepha und Kostümbildnern des Münchner Hoftheaters.
Thomas Cook entdeckt Oberammergau für den aufblühenden Tourismus. Erstmals wurden „Arrangements“ verkauft, die von den Londoner Reisbüros H. Gaze und Thomas Cook angeboten wurden. 40 Aufführungen mit ca. 100.000 Besuchern, darunter der Komponist Anton Bruckner und Herzog Georg II. von Meiningen.

1890 (28. Spieljahr) Bühnenneubau durch den international renommierten Münchner Theatertechniker Carl Lautenschläger. Teilüberdachung der Sitzplätze. Neuinszenierung im Hoftheaterstil mit naturalistisch-historisierenden Bühnenbildern und Kostümen. Im Passionskomitee bekommt der Ortspfarrer Sitz und Stimme. 40 Aufführungen, ca. 124.000 Besucher

1900 (29. Spieljahr) Bau einer Zuschauerhalle mit 4200 Sitzplätzen - eine Eisengerüstkonstruktion mit sechs hohen Bögen, die nach vorne zur Freilichtbühne geöffnet ist. Erstmals gab die Gemeinde ein „Offizielles Textbuch“ mit dem gesamten Text heraus und eröffnete ein „Wohnungsbüro“ für die Unterbringung der Gäste.
Die Allgemeine Zeitung schreibt: „Oberammergau sieht Gäste aus aller Welt; selbst aus China waren drei Herren eingetroffen.“ Im Opferstock der Kirche finden sich Münzen aus Ägypten, Indien, Hongkong, Mexiko, Brasilien, Bolivien, Peru und Amerikanische Dollar. Der Ausbau der Eisenbahn von Murnau nach Oberammergau trug dazu bei, dass bei 47 Aufführungen ca. 174.000 Besucher kamen - darunter Rockefeller und Kardinal Ratti, der spätere Papst Pius XI.

1910 Es kommt zu einer Einschränkung der Mitwirkung. 1901 schrieb Pfarrer Schroeder an die Gemeinde: „Nach den bisherigen Erfahrungen wird beim Wachstume der Gemeinde es nicht mehr möglich sein, in Zukunft alle Ortsangehörigen beim Spiele zu beschäftigen…“ und schlägt vor, dass nur derjenige am Spiel beteiligt werden soll, der „jahrelang Freud und Leid mit seiner Heimat getragen hat“. Nach seiner Meinung sollte 1910 nur der mitwirken, der seit dem Jahr 1900 in der Gemeinde sesshaft ist. 56 Aufführungen mit 223.548 Besuchern.

1922 (31. Spieljahr) Wegen der Kriegsfolgen wird das Spiel von 1920 nachgeholt. Der Gemeinderat wählt den jungen Bildhauer Georg Johann Lang (1889–1968) zum Spielleiter. Er wird die Spiele bis 1960 leiten. 67 Aufführungen mit ca. 311.127 Zuschauern, davon ca. 100.000 aus dem Ausland.

1930 (32. Spieljahr) In der Neuinszenierung Georg Johann Langs wurden modernes Regietheater, strenge Schlichtheit der Bühnenbilder und künstlerische Konzentration statt Dekor prägend. Die vielbeachtete Massenregie wurde auch von Theatergrößen wie Max Reinhardt bewundert. Die historisierende Bühne wurde in einer klaren, monumentalen Form umgebaut und die Zuschauerhalle auf 5.200 Plätze vergrößert. 81 Aufführungen mit ca. 420.000 Besuchern, darunter der englische Premierminister Ramsey Mac Donald, der indische Dichter Rabindranath Tagore, Henry Ford aus Amerika und Nuntius Pacelli, der spätere Papst Pius XII.

1934 (33. Spieljahr) Bei den Sonderspielen zum 300-jährigen Jubiläum besucht Adolf Hitler die Passionsspiele. Oberammergau lässt sich von den neuen Machthabern vereinnahmen. Hitler erklärt das Passionsspiel für „Reichswichtig“. Die Machthaber verlangen den Aufdruck „Deutschland ruft Euch!“ auf die Plakate. Das Reichspropagandaministerium unter Joseph Goebbels steuerte die Auslandswerbung und griff auch in die Vermarktung innerhalb des Deutschen Reichs ein.
Kardinal Faulhaber erteilt den offiziellen Lehrauftrag der Kirche, die „missio canonica“. Der Versuch einer Texterneuerung durch die Beauftragung von Leo Weismantel (1888–1964) scheitert. 84 Aufführungen mit ca. 440.000 Besucher.

1940 Zum zweiten Mal in der über 300 jährigen Geschichte der Passionsspiele finden, trotz der 1938 beginnenden Vorbereitung, auf Grund des 1939 ausgebrochenen II. Weltkriegs keine Passionsaufführungen statt.

1950 (34. Spieljahr) Der Komponist Eugen Papst (1886-1956) bearbeitet die Musik Rochus Dedlers und nimmt eine Neuinstrumentierung vor. Statt zu 33 geplanten Aufführungen kommt es zu 87 mit ca. 480.000 Besuchern – darunter Bundespräsident Heuss, Bundeskanzler Adenauer. Höchster Repräsentant der Alliierten beim Spiel ist D. D. Eisenhower.

1960 (35. Spieljahr) Seitens christlicher wie jüdischer Kritiker wird Oberammergau eine negative Darstellung des Judentums vorgeworfen. Der Ettaler Abt Dr. Johannes M. Höck nimmt kleine Korrekturen am Text vor, eine grundlegende Reform aber bleibt aus. Im Grunde wird die Inszenierung von 1930/34 fast unverändert wiederholt.

1970 (36. Spieljahr) In Oberammergau wächst der Wunsch nach einer Erneuerung des Passionsspieltextes. Schon in den 1960er Jahren machte Carl Orff den Vorschlag, auf den Rosner-Text von 1750 zurückzugreifen. Der neugewählte Spielleiter Hans Schwaighofer (1920-2000) stellte 1966 ein Konzept dazu vor. Als 1968 dennoch beschlossen wurde, 1970 wieder den Weis/Daisenberger-Text zu spielen, trat er aus Protest zurück.
Kardinal Döpfner fordert nach dem II. Vatikanischen Konzil ein Umdenken. Nach seinen Worten gehe es nicht „um eine Schuld oder gar Kollektivschuld der Juden“. Anton Preisinger leitet das Spiel. Der alte Text bleibt. Kardinal Döpfner entzieht dem Spiel die „Missio Canonica“. Alle Reformansätze scheitern. In Amerika kommt es zum Boykott jüdischer Organisationen gegen das Spiel. 102 Vorstellungen mit ca. 530.000 Besuchern.

1977 Die Gemeinde beauftragt 1972 den Bildhauer Hans Schwaighofer mit einer Aufführung auf der Basis des Rosner-Textes von 1750, die sogenannte "Rosner Probe". Der Künstler entwirft Bühnenbilder, Masken, Kostüme. Alois Fink schafft eine Spielfassung und der Komponist Wolfgang Fortner, unter Verwendung von Kompositionen von F. X. Richter, die Musik. Nach siebenmonatigen Proben mit etwa 700 Mitwirkenden kommt es zu 8 Aufführungen, die vom Publikum, den jüdischen Organisationen und der Kritik sehr positiv aufgenommen wurden. Bei einer anschließenden Bürgerbefragung entschied sich allerdings die Mehrheit dagegen, die Rosner-Inszenierung für das Spieljahr 1980 zu übernehmen. Der Gemeinderat beschloss schließlich die Beibehaltung des Weis/Daisenberger-Textes.

1980 (37. Spieljahr) Nach großen innerdörflichen Auseinandersetzungen über die rechte Form der Passionsspiele leitet der Bildhauer Hans Maier auf der Basis des Weis/Daisenberger-Textes das Spiel. Trotz Kritik der jüdischen Organisationen „Anti Defamation League“ und „American Jewish Committee“ werden durch den Ettaler Pater Gregor Rümmelein nur kleinere Textänderungen vorgenommen. Die 18 Hauptrollen wurden erstmals mit zwei gleichberechtigten Darstellern besetzt. 97 Aufführungen mit 460.000 Besuchern.

1984 (38. Spieljahr) Sonderspiel zum 350-jährigen Jubiläum. Erstmals erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht bei der Passionskomiteewahl, allerdings nur die mitwirkungsberechtigten, d.h. die unverheirateten und unter 35 Jahre alten Oberammergauerinnen. 101 Aufführungen mit 480.000 Besuchern.
1984 gibt es im Gemeinderat einen Generationswechsel. 1986 wählt das Gremium überraschend mit 9:8 Stimmen den 24-jährigen Bildhauer Christian Stückl zum Spielleiter für 1990.

1990 (39. Spieljahr) Generationswechsel - der nun 27-jährige Christian Stückl leitet die Spiele. Christian Stückl (*1961) und 2. Spielleiter Otto Huber (*1947) begannen das Passionsspiel zu reformieren. Sie gingen auf das Daisenbergersche Originalmanuskript zurück, ließen aber neue exegetische, theologische und historische Erkenntnisse in ihre Bearbeitung des Textes einfließen. Ein Hauptkriterium der Textbearbeitung lag dabei auf der Vermeidung von Antijudaismen im Passionsspieltext. Parallel dazu überarbeitete und erweiterte der musikalische Leiter Markus Zwink (*1956) die Musik. Christian Stückl bringt eine neue, junge Generation von Spielern in die Hauptrollen. Die Auseinandersetzungen um Stückls Spielleitung nehmen bisweilen dramatische Züge an. Zwar konnte eine Abwahl Stückl’s knapp verhindert werden, doch zieht das Passionsspiel-Komitee die Zustimmung zu dem bereits genehmigten Bühnenbild von Alexander Kraut nach einer Unterschriftensammlung konservativer Kräfte zurück.
Bis zu den Passionsspielen 1984 waren verheiratete Frauen und Frauen über 35 Jahren von einer Mitwirkung beim Passionsspiel ausgeschlossen. Im März 1990 wurde diese Regelung vom Oberlandesgericht München aufgehoben, nachdem drei Oberammergauer Frauen einen jahrelangen Rechtsstreit gegen die Gemeinde geführt haben. 98 Aufführungen, 450.000 Besucher.

2000 (40. Spieljahr) Unter Leitung von Christian Stückl kommt es zur größten Text-Reform seit 1860. Gemeinsam mit 2. Spielleiter Otto Huber versucht er die im Spiel befindlichen Antijudaismen zu eliminieren. Darüber hinaus ging es ihnen darum, der Figur des Jesus eine größere Individualität und mehr Raum zu geben. Jesus nicht auf sein Leid zu beschränken, sondern ihn vielmehr als starken Kämpfer für seinen Glauben darzustellen. Der Oberammergauer Bühnenbildner Stefan Hageneier entwarf 28 neue Szenenbilder und die Vorlagen für annähernd 2000 neue Kostüme. Markus Zwink, der schon 1990 die Musikalische Leitung hatte, bearbeitet die Musik von Rochus Dedler.
Ein weiteres Mal wurde das Mitwirkungsrecht erweitert. Bis zu den Passionsspielen 1990 durften nur christliche Oberammergauer teilnehmen, für das Spiel 2000 wurde diese Regelung aufgehoben und das erste Mal haben auch muslimische Oberammergauer an den Spielen teilgenommen.
Der Zuschauerraum des Passionstheaters erhielt eine neue Fassade und wurde saniert. Am Spiel wirkten 1600 Erwachsene und 550 Kinder mit.
110 Aufführungen, ca. 520.000 Besucher.

2010 (41. Spieljahr) Erneut bearbeitet das Team um Christian Stückl das Passionsspiel grundlegend. Neben einer neuen Textfassung, erarbeitete der Bühnenbildner Stefan Hageneier eine klare Bildsprache mit farblich leuchtenden Lebenden Bildern. Die Musik wurde von Markus Zwink erweitert und nimmt nun auch in den Spielabläufen eine immer größere Rolle ein. Erstmals wurde die Aufführung, nach großen innerörtlichen Widerständen, in die Abendstunden hinein ausgedehnt.

Mindestteilnehmerzahl 20 Personen